Im Folgenden habe ich ein kleines magisches Alphabet verfasst, in dem ich kurz auf verschiedene Aspekte der Zauberei eingehe, wie ich sie verstehe. Viel Spaß beim Lesen!
A wie Anfassen
Die Zuschauer wollen das, was der Zauberer ihnen präsentiert, immer wieder gerne in die Hände nehmen.
Wenn der Zauberer eine reine Weste hat, wird er keine Einwände haben.
B wie beeindruckt sein
Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Nur ein Zauberer, der sein Handwerk versteht, schafft es, sein Publikum immer wieder von neuem zu fesseln.
C wie Charme
Unterhaltung ist kein Kinderspiel! Ein Zauberkünstler muss wissen, wie er sich im richtigen Licht zeigt.
Denn schließlich will er auf charmante Weise sowohl Großmütter als auch Kinder um seine Finger wickeln.
D wie durchsichtig
Geheimnisse dürfen niemals durchsichtig sein, das ein oder andere Ding auf der Bühne hingegen schon.
Oft ist es nur mit dem richtigen Durchblick möglich, im Zuschauerraum "Aaaaahs" und "Ooooohs" zu erzeugen.
E wie einfach
Zauberkunststücke sollten niemals kompliziert sein. Dann verfehlen sie ihre Wirkung, und spätestens dann, wenn der erste Zuschauer seine gewählte Karte vergessen hat, werden sich immer mehr Gäste nach einem Spaziergang oder einem Stück Kuchen sehnen.
F wie fleißig
Auch für die Zauberkunst gilt: Ohne Fleiß keinen Preis! Ehrgeiz und Präzision ist die absolute Voraussetzung für jedes gelungene Kunststück.
G wie Geheimnis
Ein Zauberer bewahrt seine Geheimnisse. Sonst wäre es bald keines mehr.
Es würde gähnende Langeweile einkehren − spätestens dann, wenn er das nächst Mal kommt.
H wie Hilfsmittel
Ein guter Magier hat verschiedene gute Geister in der Tasche, die ihm das Leben und den Berufsalltag erleichtern. Selbstverständlich fallen diese ebenfalls unter die eben genannte Rubrik.
I wie „Im Ärmel“
ein Satz, der mir immer wieder zugerufen wird. Ein Zauberer, der auf sich hält, weist diesen Verdacht am besten von vornherein weit von sich, indem er mit hochgekrempelten Ärmeln arbeitet.
J wie Jungfrau
Zauberer lassen immer wieder Jungfrauen verschwinden oder sägen sie zumindest gerne durch.
Warum müssen es ausgerechnet Jungfrauen sein? Ich habe den ein oder anderen Kollegen gefragt. Leider konnte mir bislang niemand eine schlüssige Antwort geben!
K wie Kinder
Zaubern für Kinder ist eine Kunst für sich. Kinder nehmen kein Blatt vor den Mund, sondern sprechen aus, was sie denken. Zauberkünstler, die vor Kindern zaubern wollen, müssen sich darauf einstellen, dass diese manchmal auch unangenehme Wahrheiten aussprechen. Aber das kann auch Spaß machen...
L wie live
Wer einmal einem Zauberer zugesehen hat, der in einem Film oder im Fernsehen eine Person verschwinden ließ, wird sich schwer die Frage verkneifen können, wer hier der eigentliche Zauberer ist − der Künstler oder der Cutter...
M wie Moment
die Kunst der Zauberei findet in der Zeit statt. Wohl dem, der gut aufgepasst hat! Denn ein zweites Mal wird ein Magier kaum dasselbe Kunststück zeigen.
N wie Normalität
denn die gibt es unter Zauberern bekanntlich nicht. Es ist die Aufgabe eines Zauberers, Normalität außer Kraft zu setzen und große und kleine Wunder greifbar zu machen.
O wie oben und unten
und umgekehrt. Denn Dinge oder gar Personen − um nicht zu sagen "Jungfrauen" − zum Schweben zu bringen, gehört fest ins Zauberrepertoire. Dabei ist es nicht ganz unwichtig, die Schwerelosigkeit auch wieder aufzuheben.
Kein Zuschauer − und auch keine "Jungfrau" – möchte nach einer Vorstellung an der Decke kleben bleiben!
P wie plötzlich
Die meisten Zauberer werden Ihnen nicht verraten, was sie als nächstes anstellen werden. Und das hat seinen guten Grund. Niemand will schlafende Hunde wecken. Das können Sie doch sicher verstehen, oder? Auch wenn Sie es nicht gerne hören...
Q wie Quatsch
Zauberer sind etwas anderes als Clowns. Es darf gelacht werden, einverstanden. Aber etwas ernster als ihre geschminkten Kollegen können sie ihre Sache ruhig nehmen − davon haben alle mehr, auch die Zuschauer!
R wie Rundfunk
Haben Sie schon mal einen Zauberer im Rundfunk erlebt? Nein? Ich auch nicht! Und das aus gutem Grund: Die Zauberkunst ist vor allem eine Kunst für die Augen. Was für ein Glück für unseren Berufsstand, dass sich die Augen besser täuschen lassen als die Ohren!
S wie Spielkarte
Das Kartenspiel gehört zum festen Handwerkszeug eines Magiers. Es ist ungefähr das, was für einen Schornsteinfeger der Besen, für den Chirurg das Messer oder für den Pianisten die Klavierlampe ist. Die Anzahl der Zauberkunststücke mit Spielkarten ist mindestens so groß wie die Anzahl der Autos auf unseren Straßen − wenn nicht größer.
T wie Trick
ein guter Zauberer wird es weder bestätigen, noch bestreiten, mit einem Trick gearbeitet zu haben. Er macht seine Arbeit − und die Zuschauer dürfen sich selber überlegen, wie hoch sie seine magischen Fähigkeiten einschätzen!
U wie unsichtbar
Der Zauberkünstler ist in der Welt des Sichtbaren und des Unsichtbaren zuhause. Immer wieder befördert er große und kleine Gegenstände von hier nach dort oder von dort nach hier. Fast könnte man sagen: Ein Wandler zwischen den Welten.
V wie Vermutung
sicherlich wollen die Zuschauer Geheimnisse gerne lösen. Die Folge wird die ein oder andere Vermutung sein. Der Zauberer sollte sich nicht auf Diskussionen einlassen − das hat er auch gar nicht nötig. Lieber gleich das nächste Kunststück zeigen!
W wie Westentasche
und natürlich gibt es auch noch etliche andere Taschen, von denen die Zuschauer meist keine Ahnung haben. Und das ist auch gut so!
X,Y,Z wie Zauberstab
obwohl der Zauberstab bei vielen Zauberern ausgedient hat und nur noch höchst selten verwendet wird. Und die Frage ist auch, was wichtiger ist − ein guter Zauberstab oder ein guter Zauberer.
Ohne einen guten Zauberer lässt sich jedenfalls auch mit dem schönsten Zauberstab wenig anfangen!